Eine explorative Studie – Strategien Gewaltfreie Kommunikation für Sekundarschullehrer unter Anwendung eines Qualitätslernzirkel-Ansatzes
Lehrkräfte spielen eine wichtige Rolle bei der Förderung des Lernprozesses. Die Art und Weise, wie sie Beziehungen zu ihren Schülerinnen und Schülern aufbauen, ist entscheidend dafür, dass das Lernumfeld sowohl die akademische als auch die persönliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler unterstützt (Evans & Harvey, 2012). In Anerkennung der Bedeutung von Beziehungen im Klassenzimmer und deren Auswirkungen auf das Verhalten der Schülerinnen und Schüler verfolgte diese Studie zwei Ansätze. Erstens wurde untersucht, wie ein personenzentrierter Ansatz positive Beziehungen im Bildungskontext fördern kann. Der Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation ( GFK ) wurde gewählt, da er das Potenzial besitzt, die Empathie und die zwischenmenschlichen Kommunikationsfähigkeiten der Lehrkräfte zu verbessern sowie weniger wertende Wahrnehmungen und Reaktionen auf herausforderndes Schülerverhalten zu fördern (Rosenberg, 2003a). Zweitens wurde ein Modell des Qualitätslernzirkels (QLC) eingesetzt, um den Lehrkräften die Möglichkeit zu geben, GFK gemeinsam kollegial und erfahrungsorientiert zu üben und ihre Erfahrungen auszutauschen. Dieser kollaborative Ansatz wurde gewählt, um der Einzelarbeit der Lehrkräfte entgegenzuwirken und die gemeinsame Verantwortung für die Gestaltung und Entscheidungsfindung zu fördern, wodurch die Lehrkräfte gestärkt werden.
Diese Studie analysierte daher nicht nur GFK kritisch, sondern untersuchte auch die Auswirkungen eines QLC auf die professionelle Weiterbildung von Lehrkräften. Sie verfolgt einen inhaltlichen (d. h. die Erforschung des Potenzials von GFK ) und gleichzeitig einen prozessorientierten Ansatz (d. h. die Untersuchung des Potenzials eines Kleingruppenansatzes für die professionelle Weiterbildung von Lehrkräften, um Erfahrungen auszutauschen und Einblicke in ihre Praxis zu gewinnen). An der Studie nahmen vier Sekundarschullehrer aus zwei neuseeländischen Stadtschulen teil. Diese Lehrer besuchten im Laufe eines Schulhalbjahres sieben QLC-Treffen und absolvierten sowohl Eingangs- als auch Abschlussinterviews, um die Auswirkungen und das Potenzial sowohl des Inhalts ( GFK ) als auch des Prozesses (QLC) der Studie zu ermitteln.
Zusätzlich wurden Feldnotizen angefertigt, um die Erfahrungen der Lehrkräfte im Rahmen des QLC zu dokumentieren. Ein interpretatives Paradigma, das auf thematischer Analyse basierte, diente der Auswertung und Interpretation der Ergebnisse. Ziel war es, zu beleuchten, wie GFK zu positiven Lehrer-Schüler-Beziehungen beitrug und wie das QLC den Lehrkräften neue Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung eröffnete.
Die Lehrkräfte berichteten, dass ihnen das Erlernen GFK half, Werturteile zu vermeiden und ihre emotionale Achtsamkeit im Unterricht zu steigern. Insbesondere nutzten sie die Prozesse von GFK , um ihre Emotionen in schwierigen Situationen zu regulieren und führten bewusst offenere Dialoge mit ihren Schülerinnen und Schülern. Darüber hinaus setzten sie GFK als Instrument ein, um ihre eigenen pädagogischen Überzeugungen und deren Auswirkungen auf die Interaktionen mit ihren Schülerinnen und Schülern kritisch zu reflektieren. Die Lehrkräfte bestätigten außerdem, dass die kollaborativen, erfahrungsorientierten und unterstützenden Aspekte des QLC ein Umfeld boten, in dem sie einen neuen Ansatz sicher erproben konnten. Durch diese Zusammenarbeit schufen die Lehrkräfte einen Raum, in dem sie Ideen offen diskutieren, Erfahrungen austauschen und gemeinsam Lösungen für alltägliche Probleme entwickeln konnten.
Die Ergebnisse dieser Studie sind zweifach: Erstens verdeutlichen sie das Potenzial empathiebasierter Programme zur Stärkung der emotionalen Selbstregulation und der Perspektivenübernahme von Lehrkräften. Zweitens zeigen sie die Vorteile einer strukturierten Lehrerfortbildung auf, die aktive Teilnahme, kontinuierliches Lernen und die Entwicklung einer kooperativen Kultur fördert. Angesichts des zunehmenden Stresses und der Isolation, denen Lehrkräfte in ihrem Beruf ausgesetzt sind, sind beide Aspekte dieser Forschung sowohl für ihr eigenes Wohlbefinden als auch für das ihrer Schülerinnen und Schüler relevant.