Der Ausdruck von Gewaltlosigkeit in der Kommunikation und sein Zusammenhang mit der körperlichen und geistigen Gesundheit
Entwicklung und Validierung eines Kodierungssystems zur Messung des Ausdrucks von Gewaltlosigkeit in der Kommunikation zwischen intimen Partnern in Konfliktsituationen
Diese Pilotstudie war der zweite Teil eines Forschungsprogramms, das die Forschungslücke zum Thema Gewaltfreiheit in der Kommunikation und das Fehlen eines validen Messinstruments für deren Ausdruck schließen sollte. Die Studie nutzte qualitative Antworten auf ein Szenario, das eine Konfliktsituation zwischen Partnern in intimen Beziehungen darstellte, um ein Kodierschema zur Messung des Ausdrucks von Gewaltfreiheit in der Kommunikation zu entwickeln. Eine heterogene Stichprobe von 247 Studierenden einer städtischen, staatlichen Universität füllte Fragebögen zu ihrer körperlichen und psychischen Gesundheit (Short-Form 36 Health Survey [SF-36, Ware & Sherbourne] und Positive and Negative Affect Schedule [PANAS; Watson & Clark, 1988]), zum Ausdruck von Gewaltfreiheit in der Kommunikation (Elements of Gewaltfreie Kommunikation Inventory [ENVCI; Young, 2008]) und zur gewaltfreien Prädisposition (Nonviolence Test [NVT; Kool & Sen, 1984]) aus.
Diese explorative Studie fand Belege für Elemente zweier Modelle zum Ausdruck von Gewaltlosigkeit in der Kommunikation: das Modell der Gewaltfreie Kommunikation ( GFK ), bestehend aus zehn Kommunikationsakten, die den Inhalt der Kommunikation (was kommuniziert wird) spezifizieren, und das Intensitäts-/Tonmodell (wie kommuniziert wird). Beide Modelle unterscheiden gewaltlose und konventionelle (gewalttätige) Kommunikation als unterschiedliche Kontinua. Diese Unterscheidung unterstützt die Erforschung von Gewaltlosigkeit und Gewaltlosigkeit in der Kommunikation als mehr als nur die Abwesenheit von Gewalt. Die Ergebnisse dieser Studie bieten eine vielversprechende Grundlage für die weitere Anwendung, Untersuchung und mögliche Verfeinerung eines Kodierungssystems zum Ausdruck von Gewaltlosigkeit in der Kommunikation. Die Ergebnisse legen zudem nahe, dass Menschen mit einer stärkeren Neigung zu Gewaltlosigkeit intensivere, positive oder „lebendige“ Kommunikationsformen verwenden. Darüber hinaus lässt sich aus dieser Neigung zu Gewaltlosigkeit in der Veranlagung und in der verbalen Kommunikation ein gewisser Grad an Vorhersagekraft für Unterschiede in der psychischen Gesundheit ableiten (mehr positive und weniger negative Affekte).