Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zur Wirksamkeit von Interventionen auf individueller Ebene zur Reduzierung der berufsbedingten Stresswahrnehmung bei Lehrkräften
Lehrer sind in ihren produktivsten Jahren besonders stark von berufsbedingtem Stress betroffen, was zu einer katastrophalen physischen, psychischen und wirtschaftlichen Belastung für sie selbst, ihre Familien und die Gesellschaft insgesamt führt. Da Lehrer maßgeblich zur Ausbildung der Arbeitskräfte eines Landes beitragen, haben sie indirekt einen erheblichen Einfluss auf dessen Wirtschaft und Gesundheit. Es gibt verschiedene Maßnahmen auf individueller Ebene, die berufsbedingten Stress bei Lehrern reduzieren sollen. Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit solcher Maßnahmen systematisch zu überprüfen und eine Metaanalyse durchzuführen. Die Übersichtsarbeit wurde im International Prospective Register of Systematic Reviews (PROSPERO; Registrierungs-ID: CRD42020149277) registriert und folgte den PRISMA-Richtlinien (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses). Die Datenbanken PubMed, Scopus, Cochrane, PsycInfo und Web of Science wurden mithilfe vordefinierter Suchstrategien, die die Einschlusskriterien abdeckten, durchsucht.
Die Studienauswahl erfolgte in vier Runden. Die Risikobewertung für Verzerrungen wurde anhand der GRADE-Empfehlungen bzw. der ROBINS-I-Kriterien für randomisierte und nicht-randomisierte Interventionen durchgeführt. Studienauswahl, Datenextraktion und Risikobewertung wurden unabhängig voneinander von zwei Gutachtern durchgeführt; ein dritter Gutachter wurde zur Klärung von Konflikten hinzugezogen. Die Ergebnisse wurden zudem narrativ zusammengefasst. Es wurden Bewertungen der klinischen, methodischen und statistischen Heterogenität durchgeführt. Metaanalysen wurden mit der Software Review Manager 5.3 unter Verwendung der „Generischen Inversen-Varianz-Methode“ mit der mittleren Differenz als gepoolter Schätzung durchgeführt. Zusätzlich wurden Sensitivitätsanalysen der Ergebnisse durchgeführt. Bei der ersten Suche wurden 293 Artikel identifiziert, von denen 29 für die Synthese der Ergebnisse ausgewählt wurden.
Die Ergebnisse der Metaanalyse zeigten, dass kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und Entspannungsinterventionen die OS-Werte bei Lehrkräften signifikant reduzierten (Effektstärke: 6,2; p < 0,001). Die höchste Effektstärke wurde für die Kombination von KVT und Entspannungsinterventionen mit 6,57 (p < 0,001) erzielt. Entspannungsinterventionen allein und KVT allein wiesen Effektstärken von 3,35 (p < 0,001) bzw. 3,12 (p = 0,002) auf. In der Sensitivitätsanalyse, nach Ausschluss von Studien mit geringer Qualität, betrugen die Effektstärken für KVT allein, die Kombination von KVT und Entspannungsinterventionen sowie die Gesamteffektstärke 6,31 (p < 0,00001), 17,36 (p < 0,00001) bzw. 14,55 (p < 0,00001). Diese Werte waren somit deutlich höher als unter Einbeziehung der Studien mit geringer Qualität. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass kognitive Verhaltenstherapie und Entspannungsinterventionen die OS bei Lehrern reduzieren und am effektivsten sind, wenn diese Interventionen auf individueller Ebene gemeinsam durchgeführt werden.