Hat Empathie ihren Preis?
Unterschiedliche psychologische und physiologische Auswirkungen innerhalb von Familien
Zielsetzung: Elterliche Empathie ist mit einer Vielzahl positiver psychosozialer Auswirkungen auf Kinder verbunden. Weniger bekannt ist jedoch, welche Auswirkungen Empathie auf die Eltern hat. Die vorliegende Studie untersuchte die Hypothese, dass elterliche Empathie zwar sowohl psychisch als auch physiologisch vorteilhaft für Kinder sein kann, aber gleichzeitig eine physiologische Belastung für die Eltern darstellen kann.
Methode: Die vorliegende Studie untersuchte psychologische und physiologische Korrelate elterlicher Empathie in 247 Eltern-Jugendlichen-Paaren. Im Rahmen eines Laborbesuchs zu Studienbeginn gaben Eltern und Jugendliche Blutproben ab, anhand derer Marker systemischer Entzündungen, darunter Interleukin-1-ra, Interleukin-6 und C-reaktives Protein, analysiert wurden. Die Eltern füllten Fragebögen zu Empathie, Wohlbefinden und Selbstwertgefühl aus und berichteten zudem über die Emotionsregulation ihres Kindes. Im Anschluss an den Laborbesuch führten die Jugendlichen zwei Wochen lang täglich Tagebuch über ihre Fähigkeiten zur Emotionsregulation.
Ergebnisse: Bei Jugendlichen war elterliche Empathie signifikant mit einer besseren Emotionsregulation und geringeren systemischen Entzündungswerten verbunden. Bei den Eltern selbst war Empathie mit höherem Selbstwertgefühl und einem stärkeren Lebenssinn, aber auch mit höheren systemischen Entzündungswerten assoziiert.
Schlussfolgerung: Diese Ergebnisse unterstreichen die Wichtigkeit, sowohl die psychologischen als auch die physischen gesundheitsbezogenen Auswirkungen psychosozialer Merkmale gleichzeitig zu berücksichtigen, und legen nahe, dass Empathie je nach Anbieter und Empfänger von Empathie unterschiedliche Auswirkungen haben kann.