Eine Fallstudie zur Gewaltfreie Kommunikation als Instrument zur Förderung der Rassengerechtigkeit in der Schuldisziplin
Die überproportionale Vertretung schwarzer/afroamerikanischer Schülerinnen und Schüler, die in den USA an Grund- und weiterführenden Schulen disziplinarische Maßnahmen zum Ausschluss vom Unterricht erhalten, ist ein anhaltendes Problem, das die schulischen Leistungen schwarzer/afroamerikanischer Schülerinnen und Schüler beeinträchtigt, zu sozial-emotionalen Herausforderungen beiträgt, die Wahrscheinlichkeit von Schulabbrüchen erhöht und die sogenannte „Schul-Gefängnis-Pipeline“ befeuert.
Bei der Betrachtung von Schuldisziplinarmaßnahmen aus der Perspektive der kritischen Rassentheorie und der Theorie der afroamerikanischen Männlichkeit wird deutlich, dass die ethnische Ungleichbehandlung bei Disziplinarmaßnahmen durch Stereotype, rassistische Stigmatisierung, implizite Vorurteile und normative Verhaltensnormen beeinflusst wird. Die vorliegende Studie untersucht den Nutzen gewaltfreie kommunikation – eines Gesprächs- und Zuhörprozesses, der auf Empathie, Urteilsfreiheit und die Anerkennung universeller menschlicher Bedürfnisse abzielt –, um diese Einflüsse in Disziplinarsituationen zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern abzuschwächen.
Um die Auswirkungen der Auseinandersetzung mit gewaltfreie kommunikation auf die Disziplinarmaßnahmen von Lehrkräften zu untersuchen, wurde eine Vignettenstudie durchgeführt. Ziel war es, die Forschungsfrage zu beantworten: „Trägt das Wissen von Lehrkräften über gewaltfreie kommunikation dazu bei, die Ungleichheit bei den Disziplinarmaßnahmen zwischen schwarzen/afroamerikanischen und weißen Schülerinnen und Schülern zu verringern?“ Letztendlich war die Wahrscheinlichkeit geringer, dass Lehrkräfte nach der Auseinandersetzung mit gewaltfreie kommunikation Disziplinarmaßnahmen wegen subjektiver Verstöße wie Respektlosigkeit oder Trotz einleiteten. Berücksichtigte man jedoch die von den Teilnehmenden selbst angegebenen ethnischen Zugehörigkeiten sowie die impliziten ethnischen Zugehörigkeiten der in den hypothetischen Disziplinarszenarien beteiligten Schülerinnen und Schüler, blieben Hinweise auf implizite Vorurteile bestehen.
Diese Studie war die erste, die gewaltfreie kommunikation als Instrument für Lehrkräfte zur Bewältigung disziplinarischer Entscheidungsprozesse untersuchte.